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Die Geschichte des Filzens

Ein Einblick in die Filzkultur

Eine der ältesten Techniken der Textilverarbeitung ist das Filzen. Zusätzlich zu den geschichtlichen Fakten ranken sich um die Erfindung des Filzens einige Legenden. Schenkt man der ältesten Geschichte Glauben, so liegt die Wiege des Filzens auf der Arche Noah. Archäologische Funde aus der jüngeren Steinzeit legen nahe, dass bereits sehr früh in der Geschichte der Menschheit Filz hergestellt und verarbeitet wurde. Jedoch ist Filz bzw. Wolle ein ökologisch sehr gut abbaubares Material, so dass einwandfrei zuordenbare Artefakte aus frühen Jahrhunderten aufgrund dieser Eigenschaft kaum gefunden werden können.

Wissenschaftler datieren einen Fund in Sibirien auf ca. 600-200 v. Chr. Viele Formen und tolle Produkte lassen sich filzen Dieser gilt einigen Forschern als der älteste nachweisbare Hinweis auf Filz. Wissenschaftliche Schätzungen legen jedoch nahe, dass bereits ca. 8000 v. Chr., in der mittleren Steinzeit, die Menschen über Kenntnisse in der Herstellung und Verarbeitung von Filz verfügten. Viele Ausgrabungsstätten mit vergleichsweise gut erhaltenen Funden von Filz liegen im asiatischen Raum. So wird angenommen, dass der Ursprung der Filztechnik in der Mongolei und Tibet liegt und Karawanen das Filzen nach China gebracht haben. Hierauf lässt auch die hochentwickelte Nutzung des Filzes durch die genannten Völker schließen.

Wozu verwendeten die Menschen Filz in so früher Zeit?
Betrachtet man die ältesten Funde von Filz, so wird deutlich, dass die Menschen ihn für viele unterschiedliche Bereiche verwendeten. Neben Decken, Mützen, Socken, Ringen und Wandbehängen wurde er darüber hinaus mit anderen Materialien wie Metallen und Leder kombiniert. Dies ermöglichte die Verwendung zu praktischen als auch dekorativen und schmückenden Zwecken. Doch nicht nur zur Fertigung von Kleidung, sondern auch für die Herstellung von Zelten war Filz ein kostbares Produkt für die Nomaden der damaligen Zeit. Dies spiegelt sich bis heute in den traditionellen Jurten der mongolischen Nomaden wider. War das Filzen in anderen Teilen der Welt ebenso populär? Die ältesten aus Dänemark und Norddeutschland stammenden Artefakte in Form von gefilzten Mützen stammen aus der Zeit um 1500 v. Chr. Im Mittelmeerraum datieren Funde um 700 v. Chr. Von den Griechen übernahmen die Römer das Filzen. Bei Ausgrabungen in Pompeji wurden Filzmacherwerkstätten gesichert. Dies ist ein weiterer Hinweis auf die intensive Nutzung von Filz und seiner Verarbeitung. Im Mittelalter war das Hutmacherhandwerk in Deutschland weit verbreitet. Dieses beschränkte sich jedoch nicht nur auf die Herstellung von Hüten, sondern auch auf die Fertigung von Socken und Kleidung aus Filz. Ab dem 18. Jahrhundert nahm die Bedeutung des Filzens stark ab. In den Fokus rückten hingegen industriell gefertigte Kleidung und beheizbare Wohnungen. Im Zuge der Rückbesinnung auf traditionelle Handwerkskunst und dem Trend des Do-it-yourself erlebt der Werkstoff Filz sowohl in seiner Herstellung als auch in der Verarbeitung seit Beginn des 21. Jahrhunderts eine Wiederbelebung.

Grundlagen und Technik des Filzens
Filz ist eine nicht gewebte Textilie. Er besteht aus ungeordnetem, kaum trennbarem Fasergut. Dabei werden die Fasern so miteinander verbunden, dass sie eine Fläche bilden. Bei der Herstellung von Filz werden grundsätzlich zwei Techniken unterschieden: das Nassfilzen und das Trockenfilzen, das auch als Nadelfilzen bezeichnet wird. So entsteht beim Nassfilzen gewalkter Filz, auch Walkfilz oder Wollfilz genannt, sowie beim Trockenfilzen Nadelfilz. Worin sich die beiden Methoden unterscheiden? Beim Nassfilzen wird durch Reibung Filzwolle mit Seife und warmem Wasser verfilzt. Diese Art des Filzens ist die traditionelle handwerkliche Technik, bei der Wolle oder Tierhaare verarbeitet werden. Zu beachten ist, dass das Werkstück während des Herstellungsprozesses stark schrumpft. Das Nassfilzen geht vergleichsweise schnell von statten. Beim Trockenfilzen hingegen werden mit Hilfe spezieller Filznadeln mehrere Lagen Filzwolle mechanisch miteinander verbunden. Filznadeln sind mit kleinen Widerhaken versehen, wodurch sich die Fasern der Wolle ineinander drücken lassen. Selbst synthetische Fasern, Kunstgarne und Naturfasern lassen sich miteinander vernadeln. Der in heutiger Zeit üblicherweise industriell hergestellte Filz ist Nadelfilz.

Welche besonderen Eigenschaften weist Filz auf?
Ein flauschiger Hase aus Filz Schon in frühen Jahrhunderten stellte die Isolationsfähigkeit sowohl gegen Hitze als auch Kälte eine der wichtigsten Eigenschaften von Filz dar. Zusätzlich besitzt Filz eine feuchtigkeitsabweisende Komponente, weist jedoch auch eine hohe Saugfähigkeit auf. Sie ermöglicht es Flüssigkeiten aufzunehmen und wieder abzugeben. Filz ist somit atmungsaktiv und klimaausgleichend. Neben seiner Elastizität und Widerstandsfähigkeit ist die schwere Entflammbarkeit eine weitere positive Eigenschaft von Filz. Walkfilze, die beim Nassfilzen entstehen, sind ein Naturprodukt. Dadurch sind sie vollständig biologisch abbaubar und – außer für Tierhaarallergiker – sehr hautverträglich. So wird Filz als Rohstoff nicht nur in privaten Haushalten in fast allen Bereichen eingesetzt, sondern auch in der Industrie in den unterschiedlichsten Branchen verwendet.

Wie sehen die Anwendungsgebiete von Filz in der heutigen Zeit konkret aus?
In der Textilbranche werden Kleidungsstücke wie Hüte, Pantoffeln und Jacken hergestellt. Im Bereich der Wohnaccessoires entstehen unter anderem Teppiche, Tischsets und Vorhänge. Auch in der zeitgenössischen Kunst findet Filz Verwendung. Ein vielfältiger Einsatzbereich kommt in der technischen Branche in Form von beispielsweise Dichtungen und Gleitern zum Tragen. Beim Hausbau wird Filz als Dämmmaterial eingesetzt. Großer Vorteil von Filz ist, dass er ein nachwachsender Rohstoff ist, der zudem biologisch abgebaut wird. Gefährlich für Filz sind Motten, die Löcher im Material hinterlassen können.


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