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Jutegarn

Jute - Herkunft und Herstellung

Was sollte ich über die Geschichte von Jute wissen?

Über die Geschichte von Jute ist weniger bekannt als von anderen pflanzlichen Garnsorten. Wann der Anbau und die Verwendung genau seinen Lauf genommen haben ist unbekannt. Funde aus dem Iran und Ägypten weisen Jutekulturen zu einer Zeit von vor etwa 4000 Jahren nach. Es ist anzunehmen, dass Jute – hier die Blätter – zu damaligen Zeiten vorrangig als Nahrungsmittel verwendet wurde. Archäologisch belegt ist ein kleines Stück Papier aus Jute, das in Westchina gefunden wurde und der Zeit um 200 vor Christus bis 200 nach Christus zugeschrieben wird. Historische Quellen aus Indien berichten aus dem 16. Jahrhundert, dass Jute als Kochgemüse sowie als Faserlieferant für einfache Bekleidung und Seile verwendet wurde. Aus Indien erfolgte durch die Briten, als eine der ersten Händler, im 18. Jahrhundert der Export von Jutefasern und Jute-Produkten wie Seile, Schürzen, Teppiche, Pferdedecken und Zelte. Dabei wurde Jute wegen der Vielseitigkeit der Faser, den niedrigen Kosten und der Haltbarkeit geschätzt. Wirtschaftliche Bedeutung gewann Jute weltweit Anfang des 19. Jahrhunderts, als ihre Fasern in der schottischen Stadt Dundee maschinell verarbeitet wurden. Zunächst wurde Jute hauptsächlich für die Verpackungsindustrie eingesetzt. In diesem Bereich wurden Jutetaschen in den 1970er Jahren mit dem Slogan „Jute statt Plastik“ ein Symbol der Umweltbewegung, die sich zu entwickeln begann. Bei Braunschweig wurde im Jahr 1861 die erste europäische Jutespinnerei auf dem Festland gegründet, die wöchentlich zwischen 500 und 600 Zentner Jutegarn produzierte. In Indien wurden im Zuge der indischen Unabhängigkeit 1947 viele Jutespinnereien durch lokale Geschäftsleute von den Briten übernommen.

Welche interessanten Details über Jute existieren?

Über Jute gibt es einige interessante Details. So wird die Jutefaser wegen ihrer Farbe und dem leichten Schimmer häufig auch als „goldene Faser“ bezeichnet, die in den letzten Jahrzehnten zunehmend zu einem Life Style Produkt avanciert. Allerdings ist unklar, woher die Bezeichnung Jute genau stammt. Die Jutefaser ist eine Bastfaser und damit eine pflanzliche Naturfaser. Zur Gewinnung von Jute-Fasern werden vor allem zwei Arten der Gattung Corchorus genutzt. Ein Faserbündel besteht aus etwa 20 Einzelfasern und ist in der Regel 1,50 bis 3 Meter lang. Die Faserlänge entspricht der Stängellänge, wobei eine Einzelfaser circa 1 bis 5 Millimeter dick ist. Je Zelle liegt der Faserdurchmesser bei 2,4 Mikrometer. Jute ist nach Baumwolle weltweit die wichtigste Naturfaser. Im technischen Bereich ist Jute mengenmäßig sogar die meistgenutzte Naturfaser. Zu den größten Produzenten von Jutefasern zählen Indien und Bangladesch, in geringerem Maße gefolgt von Myanmar und Nepal. Die wirtschaftliche Bedeutung leidet seit den 1970er-Jahren unter anderem in Folge der Herstellung von synthetischen Fasern und dem daraus resultierenden Einbruch des internationalen Handels sowie der realen Preise.

Wie erfolgen Anbau, Ernte und Verarbeitung von Jute zu Jutegarn?

Jute ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Malvengewächse, die ein feuchtes und tropisches Klima für ihr Wachstum benötigt. Der Anbau erfolgt das ganze Jahr über. Anfällig ist die in modernen Monokulturen angebaute Jute für einen Pilz, der etwa ein Drittel der Ernte vernichtet. Gegen diesen möchten Forscher ein Pflanzenschutzmittel entwickeln. Ansonsten wird Jute in Gebieten in denen es jährliche Überschwemmungen gibt praktisch ohne die Verwendung von Dünger und Pflanzenschutzmittel angebaut. Produziert werden heute zwei verschiedene Arten der Jutefaser. Zum einen die bekannte robuste, weiche und seidige braune Jute sowie die weniger robuste weiße Jute. Dabei bestehen die Fasern, die sich im mittleren hölzernen Bereich des Stängels befinden, aus Zellulose und Lignin.

Jute Anbau

Um die Fasern von Hand aus den Stängeln lösen zu können, werden diese zunächst für 20 Tage geröstet. Anschließend werden sie in fließendem Wasser gewaschen und getrocknet. Um die Verarbeitung der Jutefasern zu erleichtern, werden sie vor dem Spinnen in der Regel mit einem Öl behandelt. Weil das Öl mineralölhaltig ist steht dieses Vorgehen wegen möglicher gesundheitlicher Schäden vor allem im Bereich der technischen Anwendung in der Kritik. Im Textilbereich wird es im Verlauf des Herstellungsprozesses meist wieder ausgewaschen. Durch das Spinnen werden aus den schimmernden, langen und weichen Fasern grobe, feste und robuste Garne gewonnen.

Mit welchen Eigenschaften punktet Jute?

Jute punktet mit einigen positiven Eigenschaften. So ist Jutegarn sehr robust und vielseitig einsetzbar. Auch die Mischung mit anderen Fasern ist möglich. Außerdem besticht es durch seinen günstigen Preis, gute Färbbarkeit und als nachwachsender Rohstoff durch seine Umweltfreundlichkeit. Denn Jute ist als Naturfaser vollständig biologisch abbaubar und lässt sich somit gut recyceln. Dabei ist Jute-Kleidung atmungsaktiv, hautverträglich, antistatisch und schallisolierend. Die Wärmeisolationsfähigkeit der Faser ist gut. Zudem hat sie eine niedrige Dehnbarkeit, zeichnet sich jedoch durch eine hohe Dehnfestigkeit aus. Jute hat ein gutes Vermögen Wasser aufzunehmen. Dabei wird sie in Verbindung mit Wasser deutlich weicher. Deshalb wird sie auch zum Waschen mit leichtem Peeling-Effekt herangezogen. Neben den Vorteilen von Jute gibt es auch einige Nachteile. Hierzu gehören die grobe Struktur, die Knitteranfälligkeit sowie die geringe Reißfestigkeit. Zudem können Farben im Sonnenlicht verblassen. Leider ist Jute auf Grund ihres recht hohen Lignin-Anteils relativ fäulnisanfällig und weist im Vergleich zu anderen Garnen einen strengen Geruch auf.

Was wird aus Jutegarn durch häkeln und stricken hergestellt?

Die bekannteste Verwendung von Jute ist die zur Herstellung von Säcken, Taschen und Beuteln sowie Tauen, Seilen und Kordeln. Dass Jute auch darüber hinaus ein fester Bestandteil des täglichen Lebens ist, ist vielen Menschen nicht bewusst. Denn aus Jute werden nicht nur Verpackungsmaterialien gefertigt sondern unter anderem auch Vorhänge, Teppiche und Spezialpapiere. Jute ist auch im Handarbeitsbereich zum Häkeln und Stricken beliebt. Zu beachten ist hier, dass entsprechend starke Häkelnadeln bzw. Stricknadeln zum Verarbeiten des Jutegarns verwendet werden müssen. Denn Jutegarn ist in der Regel dicker und fester als andere Garne, weshalb sowohl beim Häkeln als auch beim Stricken ein wenig Kraft benötigt wird. Deshalb bietet es sich an, die Handarbeit auf mehrere Tage zu verteilen um die Hände nicht zu sehr zu beanspruchen. Während sich die Endprodukte mit normaler Wolle oftmals etwas verziehen, ist dies bei Jutegarn nicht der Fall. Durch seine Steifheit und Festigkeit behalten beispielsweise Körbe und weitere Aufbewahrungsartikel ihre Form. Weil Jute in Verbindung mit Wasser wesentlich weicher wird, können aus Jutegarn Waschhandschuhe, Seifensäckchen und vieles mehr mit natürlichem Peeling-Effekt hergestellt werden.

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Kommentare  

 
KleineAlltagsfreuden
#2 KleineAlltagsfreuden 2020-12-09 10:07
Der Artikel gefällt mir sehr gut! Nicht nur, dass Eigenschaften und heutige Verwendung von Jute beschrieben werden. Ich finde auch die historischen Zusammenhänge sehr interessant.
Das Lesen hat mir Spaß gemacht!
 
 
Reloaded
#1 Reloaded 2020-12-08 23:54
Auch mal interessant,mal was Sachliches zu lesen. Jute statt Plastik, ja das war einmal. Schon traurig, dass wir gerade wieder von vorne anfangen und Mikrosyntetikfasern immernoch eine viel größere Rolle spielen als natürliche. ich versuche gerade keine Syntetischen Klamotten zu kaufen, was echt schwierig ist, da es fast immer Mischgewebe sind.
 

Jute

Eigenschaften und Herkunft zur Jute
Herkunft: pflanzlich
Abkürzung (international gültig): JU
Länder/Regionen: Indien, Bangladesch, Myanmar, Nepal
Marktführer: Indien, Bangladesch
Allergiker geeignet: ja
Geeignet für: Taschen und Beutel

Verarbeitung (schwierig)
Wärme (kühl)
Weichheit (kratzig)
Wertvoll (nicht wertvoll)
Kosten (sehr günstig)
Strapazierfähigkeit








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